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Gesellschafter Knut König

 

Knut König ist der geschäftsführende Gesellschafter im Naturkost Kontor Bremen. Knut kümmert sich um das Tagesgeschäft und ist hier in Bremen vor Ort unser Ansprechpartner. “Das ist der Chef!“ erklärt Asmaa unserer neuen Auszubildenden, als Knut reinkommt. „Genau, stillgestanden, bitteschön!“ lacht die Runde und Asmaa ergänzt: „Nee, so war das nicht gemeint. Also Knut ist unser Chef, und er arbeitet aber auch selber hier bei uns im Einkauf, und er ist unser Apfelexperte, und die Buchhaltung macht er auch und Du kannst ihn immer fragen wenn Du Fragen hast.“ Als geschäftsführender Gesellschafter beim NKK hat man also offenbar ganz schön viele verschiedene Hüte auf.

Knut, man sieht Dich im NKK zwar nie mit verschiedenen Hüten, aber Du trägst tatsächlich gerne Kopfbedeckung. Immer dasselbe Käppi im Sommer und im Winter die grünkarierte Mütze. Brauchst Du in Sachen Mode keine Abwechslung, weil Du im Job schon so  viele unterschiedliche Themen bearbeitest?

Knut: …überlegt…also wenn ich da wirklich drauf antworten soll, dann würde ich sagen, dass man sich auf die Sachen konzentrieren muss, die wirklich wichtig sind im Leben und sich nicht in Schnickschnack verlieren darf. Ich hab auch nur ein einziges Paar Schuhe, plus meine Badelatschen. Es gibt so viel Überfluss in der Welt, da bin  ich einfach froh, wenn ich ein gutes Produkt gefunden habe und da bleibe ich dann auch bei. Ich habe Schwierigkeiten, nachzuvollziehen, für welch unnötigen Kram Menschen Geld ausgeben.

Du bist hier intern dafür bekannt, dass Du in alles Obst und Gemüse einfach so direkt reinbeißt, um es zu probieren. Hast Du diese Leidenschaft für Obst und Gemüse erst im NKK entdeckt?

Ich esse schon immer gern. Ich möchte gerne wissen, was wie schmeckt. Das Interesse war bei mir schon immer da. Mich interessiert nicht nur das, was ich noch nicht kenne. Wie schmecken die Sachen zu unterschiedlichen Jahreszeiten? Ist der Rosenkohl, in den ich im frühen Herbst reinbeiße, schärfer als der, den man nachher im Dezember nach den ersten Nachtfrösten probiert? Sowas interessiert mich einfach. Und das kriege ich nur raus, indem ich selbst da reinbeiße. (Bild rechts: bei Hansjürgen Engel im Fenchel)

Du bist zum NKK gekommen, weil Du 2010 den Obsthof König vom damaligen NKK-Gesellschafter Gerd König übernommen hast. Was hast Du vorher gemacht?

Ich hab Landwirtschaft studiert. Ich komme aus Sachsen-Anhalt, aus der Nähe von Magdeburg.

Meine Eltern haben auf ihrem Hof konventionellen Ackerbau gemacht. Kartoffeln mit Spritzen, Weizen mit Spritzen, Zuckerrüben, Gerste. Mit viel Spritzen, mit viel Düngen. Der Acker sollte möglichst sauber aussehen. Ich hab bei meinen Eltern auf dem Hof geholfen und sollte den Hof übernehmen. Und deswegen hab ich dann Landwirtschaft studiert.

Wie läuft ein Landwirtschaftsstudium so ab? Da wird ja gelehrt, wie man optimal Land bewirtschaften sollte, oder?

Man beschäftigt sich mit Fruchtfolgen, mit der Viehhaltung in mehreren Kursen. Wie ist ein Rind aufgebaut, welche Funktion hat ein Pansen, was für Haltungsformen gibt es bei Schweinen und so weiter. Außerdem gibt es Technikseminare, Pflanzenbau, Pflanzenschutz, wie dünge ich richtig, wie spritze ich richtig, volle Dröhnung konventionelle Landwirtschaft. Die Pflanzenschutz-Vorlesungen waren verpflichtend. Ich werde die Sachen, die da gelehrt werden, nie vergessen. Der Boden wird nicht als ganzheitlicher, lebendiger Raum gesehen. In der konventionellen Lehre geht es darum, dem Boden die Nährstoffe beizudüngen, die die Pflanze braucht um schnell zu wachsen und die Konkurrenz, die die Pflanze am Wachstum hindern oder es verlangsamen könnte, wegzuspritzen. Nach vier Jahren ist man dann Diplom-Agraringenieur.

Besonders leicht verstehen kann man das Prinzip, wenn man über einen konventionellen Getreideacker geht. Dort sieht man keine goldgelben Getreidekörner, aus denen dann die Pflanzen wachsen. Die Körner sind orangerot, weil sie gebeizt worden sind. Das Korn wird mit Insektiziden  und Fungiziden behandelt, schon bevor es in die Erde kommt. Und wenn es dann in der Erde ist, bildet es den sogenannten Beizhof. Rund um das Korn herum verbreitet sich die Chemie und die Lebewesen im Boden sterben ab. Und wenn der Weizen gewachsen ist und die Pflanze steht, wird weiter gespritzt.

Und es gibt ja zum Beispiel nicht nur Spritzmittel, die gegen Krankheiten eingesetzt werden. Die hochgezüchteten Getreidesorten haben heute so dicke Ähren oben dran, dass sie die von alleine gar nicht tragen könnten, weil der Halm viel zu dünn ist für die dicke Ähre. Da gibt es dann eben ein Spritzmittel, das den Halm nicht so groß wachsen lässt, den sogenannten Halmverkürzer. Und so weiter und so fort. Für jede Frage eine Antwort aus dem Chemie-Baukasten.

Und in der Vorlesung ist Dir dann aufgegangen, dass das genau die Chemie ist, die Deine Eltern auf dem Hof einsetzen?

Ja, genau. Und das hab ich ja auf dem Hof meiner Eltern auch selbst noch machen müssen.  Ich habe zum Beispiel da die Kartoffeln gespritzt. Die Kartoffeln haben vor jedem Regen einen Guss mit der Chemiekeule gekriegt. Und man riecht es diesem Zeug schon an. Ich hab mich davor geekelt, aber es hieß ja immer, dass es nicht anders geht. Meinen Eltern war klar, dass dadurch alles andere abstirbt. Trotzdem war genauso klar, dass es so gemacht wird. Mein Vater hat immer gesagt, dass die Mittel geprüft worden seien. Heutzutage sind die alle verboten, aber es ist trotzdem keine Einsicht da, dass die Mittel von damals (genau wie die von heute) einfach nur giftig sind.

Mein Onkel hingegen hatte schon 2003 angefangen und seinen eigenen Hof auf ökologische Landwirtschaft umgestellt. Mit ihm habe ich die ersten Gespräche geführt und gelernt, dass es nicht nur den konventionellen Weg gibt. Das hat mich fasziniert. Ökologische Landwirtschaft gab es in Osnabrück nur so nebenher. Ich hab mir dann alle Kurse, die da angeboten wurden zum Thema Ökologische Landwirtschaft zusammengesucht und die belegt. Ökologischer Ackerbau für Fruchtfolgen, die den Boden gesund erhalten, Ökologische Tierhaltung, ich hab alles an Öko-Vorlesungen mitgenommen, das es gab. Wenn wir beim Beispiel Weizen bleiben: Halmverkürzer sind im ökologischen Landbau nicht erlaubt. Wir brauchen also andere Sorten, die kleinere Ähren bilden und in sich stabil sind. Und der Boden soll aus sich heraus so gesund sein, dass man genug ernten kann. Man beschäftigt sich also mit dem Boden als Lebensraum. Und man baut Sorten an, die in die Region passen. Der Boden ist für mich so faszinierend, weil man ihm nicht ansieht, was in ihm steckt. So viele verschiedene Organismen, es lebt da drin! In diesem kostbaren Lebensraum leben Hamster, Schnecken, Regenwürmer, kleine Spinnen. In jedem Kubikzentimeter Boden leben mehr Lebewesen, als es Menschen auf dieser Erde gibt. Ohne Boden gibt es kein Leben und Boden kann man nicht einfach mal eben so wieder herstellen, das dauert tausende Jahre. Wie vermessen ist es, diesen Lebensraum zu bedrohen, nur weil man mehr billigen Weizen haben möchte?

Und wie bist Du dann zum NKK gekommen?  

Ich bin dann irgendwann zu meinen Eltern gegangen und hab gesagt, ich mach den Hof weiter, aber ich will Bio machen. Das hat mit meinem Vater zu riesigen Diskussionen geführt, weil er das nicht wollte. Nach dem Studium musste dann eine Entscheidung her, ich wollte unbedingt anfangen zu arbeiten. Mit meinem Vater war Bio nicht zu machen. Dann haben Johanna Schaeper, meine damalige Partnerin, und ich Gerd König und Karin Somfleth kennengelernt. Gerd und Karin haben schon 1980 ihren Obstbaubetrieb auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Die beiden haben eine Hofnachfolge gesucht und daraus ist eine enge Freundschaft und eine familiäre Bindung entstanden. Ich bin zu Gerd und Karin nach Geversdorf gezogen und habe den Apfel- und Birnenanbau von Gerd gelernt.

2013 haben Gerd und Karin mich adoptiert. Ich habe dadurch, dass ich meinen elterlichen Hof verloren habe, ein neues Leben dazugewonnen.

Das, was ich mir für meinen elterlichen Hof gewünscht hatte, konnte ich mit Gerd und Karin leben. (Bild: mit Karin Somfleth) Nach der Trennung von Johanna Schaeper bin ich mittlerweile nach Bremen gezogen und arbeite voll und ganz im NKK. Mir macht die Arbeit hier sehr viel Spaß, unter anderem weil ich nicht allein bin mit meiner Lebenseinstellung. Und das nicht nur im NKK selbst, sondern auch was unsere Lieferanten angeht. Lammsbräu zum Beispiel, die das ökologische Reinheitsgebot ins Leben gerufen haben. Das besagt, dass in Bier nur das drin sein soll, was in ein richtiges Bier auch rein gehört. Bier ist Bier, Wurst ist Wurst. So stelle ich mir das vor. Nicht noch irgendwelche designten Geschmacksverstärker, sondern Wurst schmeckt halt nach Wurst. Ohne Zusatzstoffe und Schnickschnack drumherum, sondern pur. So stelle ich mir die Landwirtschaft vor, so stelle ich mir das vor, was daraus wird. Ich beiße pur in den Rosenkohl rein, oder in den Fenchel, und genauso möchte ich auch in die Produkte reinbeißen, die hergestellt werden.

 

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